Mittwoch, 3. September 2008

In der ganzen Vorbereitung zu dem Trip stießen wir nicht selten auf schier unlösbar erscheinende Probleme und nicht selten fragten wir uns, an was für einer absolut schwachsinnigen Idee wir gerade arbeiten. Wie sind wir nur auf so einen Mist gekommen? Warum nicht einfach so weiter machen wie bisher? Warum nicht einfach zu Hause auf der Couch bleiben? Warum denn ausgerechnet Afrika? Könnten wir nicht durch einen sichereren, „angenehmeren“ Kontinent reisen?

Warum, warum, warum... eine rationale Antwort wird schwer zu finden sein.


Um all dies zu verstehen, muss man weit ausholen und in der Vergangenheit kramen. Ein Versuch all das zu rekapitulieren:


Wie sind wir auf so einen Mist gekommen?


Vor 8 Jahren warf Moritz das erste Mal die Idee in den Raum, mit dem Motorrad eine Wüstendurchquerung zu versuchen. Inspiriert durch Reiseberichte und Diashows über ähnliche Expeditionen, versuchten wir uns an der Planung derselbigen und mussten schnell feststellen, dass dies unsere damaligen Mittel und auch unsere Erfahrung mit solchen Reisen um ein vielfaches überstieg. So schnell wie die Idee entstand, so schnell war sie auch wieder vom Tisch. Aber in gewissen Hirnwindungen immer noch verankert.


Bei weiteren „normalen“ Backpacker Aktionen machten im Laufe der Jahre sowohl Moritz als auch Tobias ähnliche Beobachtungen. Egal wie lange und wie weit man von zu Hause entfernt ist, das menschliche Gehirn ist nicht dazu fähig wirklich zu realisieren welche Entfernung zwischen den beiden Welten liegt. Vielleicht wird es anhand von einem ganz simplen Beispiel verständlicher: Man steigt in München in den Flieger. Sitzt dort 12 Stunden und steigt anschließend in Bangkok aus. Am fast anderen Ende der Welt nach nur 12 Stunden!!! Es kann noch nicht so lange her sein, da brauchte man dieselbe Zeit für 50 km im Ochsenkarren. Wenn nicht sogar länger. Nun ist man aber in Bangkok. Der Kulturschock haut einen fast um. Die Zeit vergeht und selbst wenn man sich mehrere Monate dort aufhält, weiß man nichts über die Veränderung zwischen Deutschland und Thailand. Man hat nicht mitbekommen, wie sich schon am Bosporus die Mentalität der Menschen verändert hat (naja eigentlich schon kurz hinter Kufstein), man hat nicht am eigenen Leib erfahren wie sich das Klima gewandelt hat, von der Veränderung von Landschaften, Flora und Fauna mal ganz abgesehen. Man kommt am Flughafen an, plötzlich schauen alle Menschen komplett anders aus, sprechen eine völlig fremde Sprache und lächeln jedem zu. Der Klimaschock haut einen fast aus den Latschen beim Verlassen des Flughafens und die völlig fremden Gerüche tun ihr Übriges. Vielleicht kommt man schon wieder nach zwei Wochen nach Hause, vielleicht auch erst nach mehreren Monaten. Egal. Der Eindruck eines Traums bleibt. Der Traum eines fremden Landes.

Damit dieser Traum noch reeller wirkt, wollen wir weiterhin fremde Länder bereisen, mit dem Unterschied nur, dass wir die Reise vor unserer Haustür beginnen werden und nicht an einem Flughafen in einer fremden Stadt.

Folglich sollte man eigentlich zu Fuß oder mit dem Rad von hier loslegen um die langsame Veränderung des Ganzen zu begreifen. Angesichts der Größe unseres Vorhabens nicht so ganz realisierbar, außerdem können selbst wir uns nicht die nächsten 5 Jahre frei nehmen. Warum aber dann mit dem Motorrad?

Im Gegensatz zum Auto sind die Kapazitäten eines Motorrads begrenzt. Das birgt Nachteile, vor allem da man nur begrenzt Ersatzteile mitnehmen kann, aber genau dieser Umstand birgt auch einen enormen Vorteil. Man muss sich auf das absolut wesentliche begrenzen. Das Leben während der Reise wird sehr spartanisch und genau dieses Gefühl vermittelt man den Leuten, denen man unterwegs begegnet. Man hat auch nicht viel und das sehen die Menschen sofort. Es fährt kein riesiger, klimatisierter Geländewagen voll bepackt mit Equipment in ihr Dorf, sondern ein kleines Motorrad, bepackt mit dem Nötigsten. Ein Sympathiefaktor sozusagen, besitzen diese Menschen oftmals auch nicht viel.

Warum denn ausgerechnet Afrika?

Afrika ist ein faszinierender Kontinent. Er birgt eine enorme Vielfalt in allen Bereichen. Leider hört man selten etwas über die meisten Länder. Und wenn, dann sind es meist äußerst negative Schlagzeilen. Hungersnöte, instabile Regierungen, Menschenrechtsverletzungen, Umweltkatastrophen, usw. Wie wichtig die Berichterstattung über solche Ereignisse ist, steht außer Frage. Doch sollten auch positive Ereignisse, die Geschichten von einzelnen Menschen, die zwischenmenschlichen Begegnungen in das Bewusstsein aller gebracht werden. Dies wollen wir versuchen. Mit diesem Blog, Reportagen und natürlich mit Bildern.

Nicht abstreiten wollen wir, dass eben diese Gefahren die Afrika birgt auch einen gewissen Reiz bei der ganzen Aktion ausmachen. Mit dem Motorrad die Route 66 fahren ist einfach nicht unser Ding. Auch die vergleichsweise wenigen Reisenden geben einem das Gefühl einer besonderen Aktion.

Die Idee, dass es ausgerechnet Afrika sein soll, hat vor allem Tobias vorangetrieben. Eine Freundin hatte ihm von ihrem großen Traum Afrika zu bereisen erzählt. Erst dadurch kam der Gedanke für diesen sagenumwobenen Kontinent auf. Dafür wollen wir uns bedanken und sogleich entschuldigen, dass sich dieser Traum für uns wohl schneller erfüllen wird.

Warum also nicht lieber auf der Couch liegen?

Ganz einfach: Weil das Leben keine Couch ist!

Wir hoffen, dass der ein oder andere nun ein wenig mehr Verständnis für diese irrsinnige Aktion aufbringen kann. Auch wenn es noch mehrere Aspekte zu berücksichtigen gibt, sind dies doch die wichtigsten. Mal sehen, ob wir nach der Reise immer noch so denken.